Systemvergleich

In diesem Artikel möchte ich Euch den Umgang mit einer Kompaktkamera und einer DSLR in Bezug auf die Makrofotografie näher bringen. Dabei werde ich auf meine Erfahrungen mit der Fuji FinePix s9600 sowie der Canon 40D zurückgreifen. Als Objektiv für die DSLR kommt das Sigma 150mm F2,8 Sigma 150mm F2,8 EX DG HSM MAKRO zum Einsatz.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Systemeigenschaften
    1. Kompaktkamera
    2. Spiegelreflexkamera
    3. Übersicht
  2. Vergleich des Workflows
  3. Pro und Contra der beiden Systeme
    1. Kompaktkamera
    2. Spiegelreflexkamera
  4. Fazit
1. Systemeigenschaften
Kompatkamera

Die Fuji s9600 ist insgesamt kleiner und leichter als die Canon 40D. Trotzdem liegt sie sehr gut in der Hand und die Knöpfe für die Bedienung sitzen an richtiger Stelle. Durch das einfach aufgebaute Menü kann sehr schnell navigiert werden und für die wichtigsten Einstellungen (ISO, Bildqualität, Farbeinstellung) gibt es eine F-Taste direkt neben dem Display auf der Rückseite.

Im Inneren arbeitet ein Super-CCD Sensor mit 9MP. Dieser erlaubt eine Lichtempfindlichkeit von 80-1600ISO. Über 200ISO wird das Rauschen allerdings recht stark und Aufnahmen mit größeren Lichtempfindlichkeiten sollten daher vermieden werden. Um die größtmögliche Qualität schon bei der Aufnahme zu erreichen, bietet die Fuji Aufnahmen im RAW-Format (Was ist RAW(externer Link)) an.

Der meiner Meinung nach wichtigste Unterschied zu einer DSLR ist das fest eingebaute Objektiv. Bei der Fuji deckt es einen Brennweitenbereich von 28-300mm (bezogen auf KB-Format) ab. Der 10.7fache Zoom ist ideal für Reisen geeignet. Mit einer Anfangs- und Endblende von 2.8 bzw. 4.9 ist es zudem relativ lichtstark. Des Weiteren besitzt die Fuji ein schwenkbares Display, die zunehmend auch bei Spiegelreflexkameras zu finden sind. Bei jedem Hersteller fällt dieses unterschiedlich aus. Das der Fuji ist um 45° nach vorne und 90° nach oben schwenkbar, was vor allem für bodennahes Arbeiten von Vorteil ist.

Da das Objektiv nicht gewechselt werden kann, werden Achromaten benötigt, die vor der Linse angebracht werden, um Abbildungsmaßtäbe von 1:1 und mehr zu erreichen. Hier sollte auf hochwertige Lösungen von namenhaften Herstellern zurückgegriffen werden, um die bestmögliche Qualität zu erreichen. Achromaten sind mit unterschiedlichen Dioptrien-Werten erhältlich. Je höher dieser ist, desto größer ist der Abbildungsmaßtab, gleichzeit verringert sich aber die Naheinstellgrenze.
Für die Fuji habe ich hauptsächlich den Canon 250d, Raynox 150-DCR und Raynox 250-DCR verwendet. Damit wird ein Bereich von +4 bis +8 Dioptrien abgedeckt und ermöglicht die Abbildung von Großlibellen, Schmetterlingen und kleineren Insekten wie Käfer. Um noch mehr Freiheit bei der Gestaltung zu haben, habe ich ab und zu auf einen Sigma Achromaten zurückgegriffen, der ca. +2 Dioptrien hatte.

Spiegelreflexkamera

Die Canon 40D richtet sich an erfahrene Amateurfotografen und semiprofessionelle Anwender. Dies wird unteranderem durch das robuste Gehäuse und ihre Schnelligkeit deutlich. Auch das zusätzliche Display auf der Oberseite ist eine sehr gut Ergänzung, um einen schnellen Überblick der eingestellten Parameter zu bekommen.

Auf der Rückseite sticht einem sofort der große 3“ LCD-Monitor ins Auge. Für die Bedienung des Menüs steht ein großes Einstellrad rechts neben dem Display zur Verfügung. Das Menü ist übersichtlich und verständlich aufgebaut. Die wichtigsten Aufnahmeparameter lassen sich über einzelne Knöpfe auf der Oberseite vornehmen. Daneben gibt es die Möglichkeit, bis zu drei frei wählbare Customprogramme zu belegen.

Die Spiegelreflexkameras spielen ihre Vorteile bei der Möglichkeit des Objektivwechsels aus. Dadurch kann für jede Situation die passende Optik verwendet werden. Auch hier gibt es große Unterschiede in der Verarbeitungs- und Abbildungsqualität.

Für den Makroeinsatz gibt es Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten und Anfangsblenden. Je länger die Brennweite ist, desto größer ist die Fluchtdistanz. Das hier verwendete Sigma 150mm F2.8 EX DG HSM hat eine Naheinstellgrenze von 38cm (1:1) vom Sensor bzw. ca. 20cm von der Objektivfront zum Motiv. Es ist darauf zu achten, dass das Objektiv auch wirklich einen Abbildungsmaßtab von 1:1 erreicht, denn auch auf normalen Zoom-Objektiven ist die Bezeichnung "Makro" zu finden.

Im Lieferumfang des Sigmas ist neben einer hochwertigen Tasche sowie einer Gegenlichtblende auch eine Stativschelle vorhanden, welche den einfachen Wechsel von Quer- auf Hochformat ermöglicht.

Überischt

Hier nochmal eine kleine Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften beider Kamerasysteme.

Übersicht der beiden Kamerasysteme

 

Fuji s9600

Canon 40D

Sensor:

1/1.6 Zoll Super CCD (9MP)

CMOS-Sensor (22,2 x 14,8mm, 10.1MP)

Auflösung:

3488x2616

3888x2592

Dateiformate:

JPEG, RAW, AVI

JPEG, RAW, sRAW, JPEG+RAW

Speichermedium:

XD, CF, Microdrive TM

CF

Verschluss:

30-1/4000sek

30-1/8000sek

ISO:

80/100/200/400/800/1600

100-1.600 in Drittelstufen, H-ISO: 3200

LCD-Monitor:

2“ mit 235.000 Pixel (schwenkbar)

3“ mit 230.000 Pixel

Stromversorgung:

4xAA-Batterien / Ni-MH Akkus

Lithium-Ionen-Akku

Abmessungen:

128.0 x 93.0 x 129.0mm

145,5 x 107,8 x 73,5mm

Gewicht:

ca. 650gr

ca. 740gr

2. Vergleich des Workflows

Falls an der Spiegelreflexkamera das Makroobjektiv schon angebracht wurde, gibt es bis zum Anbringen der Kamera auf dem Stativkopf keinen Unterschied. Je nach Motiv muss dann aber bei einer Kompaktkamera zwischen Achromaten mit unterschiedlichen Dioptrien-Werten gewählt werden. Bei einer DSLR bestimmt nur der Abstand zum Motiv den Abbildungsmaßstab. Um den ABM zu steigern, kann vor einem Makroobjektiv zusätzlich ein Achromat angebracht werden. Eine gute Abbildungsleistung bildet dabei die Raynox DCR-5320 Linse.

Nun beginnt vor allem für unerfahrene Benutzer mit einer Kompaktkamera das Finden des richtigen Abstands zum Motiv, um scharf stellen zu können. Aber schon nach wenigen Ausflügen sind die Positionen bekannt. Besitzt man einen Einstellschlitten wie den Novoflex Castel-Q, ist die Wahl des genauen Fokuspunktes noch einfacher. Die Kamera wird auf dem Einstellschlitten montiert und über einen Schieberegler kann diese vor und zurück bewegt werden. Auch bei einer DSLR kann ein Einstellschlitten hilfreich sein.

Der weitere Ablauf unterscheidet sich kaum. Ist der richtige Bildausschnitt gefunden, werden die technischen Parameter eingestellt. Ich bevorzuge den A-Modus, bei dem man die Kontrolle über die Blende hat. Daneben ist es wichtig, die Belichtung im Auge zu haben und ggfs. mit der Belichtungskorrektur Änderungen vorzunehmen. Beide Kameras bieten dafür ein Live-Histogramm, um diese zu kontrollieren.

3. Pro und Contra der beiden Systeme

Die hier aufgeführten Vor- bzw. Nachteile entpsrechen meiner persönlichen Meinung und Erfahrung in der Makrofotografie. Einzelne Punkte können daher bei jedem abweichen.

Kompaktkamera

Pro:

  • kleiner und leichter, liegt aber trotzdem sehr gut in der Hand
  • schwenkbares Display
  • billiger in der Anschaffung als eine DSLR
  • größere Tiefenschärfe durch kleineren Sensor

Contra:

  • langsame RAW-Verarbeitung
  • häufiger Wechsel der Achromaten
  • durch zu kleine Achromaten treten Randabschattungen auf
  • festgelegte Naheinstellgrenze
  • erhöhtes Bildrauschen
  • Blenden ab f8 nur über den M-Modus zu erreichen (Fuji)
  • lichtschwaches Objektiv im Vergleich zu einem echten Makroobjektiv
Spiegelreflexkamera

Pro:

  • bessere Gestaltungsmöglichkeiten, da ab der Naheinstellgrenze immer scharf gestellt werden kann
  • durchgängige Offenblende von F2.8 (bei den meisten Makroobjektiven)
  • schneller Wechsel von Quer- auf Hochformat durch Stativschelle (nicht bei allen Objektiven vorhanden)
  • schnelle Bildverarbeitung
  • Live-View mit 10x Zoommöglichkeit
  • geringeres Bildrauschen

Contra:

  • höherer Anschaffungspreis
  • teure Objektive
  • hohes Gewicht
  • für Abbildungsmaßtäbe größer 1:1 benötigt werden zusätzliche Linsen oder ein Lupenobjektiv benötigt
  • genauere Kameraausrichtung durch geringere Tiefenschärfe nötig
4. Fazit

Beide Kameratypen sind dazu geeignet, qualitativ hochwertige Makroaufnahmen zu machen. Eine DSLR bietet insgesamt mehr Möglichkeiten beim gestalterischen Prozess durch die geringere Tiefenschärfe und das lückenlose Scharfstellen ab dem Mindestabstand. Mit der häufig anzutreffenden Anfangsblende von f2,8 lassen sich sehr schöne malerische Bilder kreieren.

Auch die Kompaktkamera weiß zu überzeugen, durch geringe Mehrkosten kann sie makrotauglich gemacht werden. Mit dem großen Brennweitenbereich spielt sie auf Reisen ihre Vorteile aus. Besitzer einer DSLR müssen dafür immer mehrere Objektive mitschleppen und wechseln, wodurch der Sensor mit der Zeit verdreckt und gereinigt werden muss. Dagegen spricht aber der schnellere Prozessor sowie Autofokus der Canon 40D  und das bessere Rauschverhalten einer Spiegelreflexkamera.

Insgesamt bieten beide System Vor- und Nachteile. Dabei muss jeder für sich entscheiden, was bevorzugt wird und worauf verzichtet werden kann. Ich bin aber froh, den Schritt gemacht zu haben und nun mit einer Spiegelreflexkamera zu fotografieren.